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23.07.2020
Warenwirtschaft: Düngung

Bundesregierung forciert Nährstoffeffizienz

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In ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage im Bundestag erläutert die Bundesregierung detailliert verschiedene Ansätze zur Verbesserung der Nährstoffeffizienz und zur Vermeidung von Nährstoffverlusten.
 

Mit Meldung vom 20. Mai 2020 haben wir über die „Farm to Fork“ (F2F)-Strategie der EU-Kommission berichtet. Als Teilaspekt des „Green Deals“ soll sie die Nahrungsmittelversorgung in der EU nachhaltiger machen. Zuständig ist die Generaldirektion Gesundheit; die Generaldirektion Landwirtschaft nimmt in diesem Zusammenhang keine zentrale Rolle ein. U. a. sind als Ziele vorgegeben:

  • Verringerung der Verwendung von und des Risikos durch chemische Pestizide um 50 % und Verringerung des Einsatzes von Pestiziden mit höherem Risiko um 50 % bis 2030;
  • Reduzierung der Nährstoffverluste bei gleichbleibender Bodenfruchtbarkeit um mindestens 50 %, was bis 2030 zu einem um mindestens 20 % reduzierten Einsatz von Düngemitteln führen wird;
  • Ausweitung des ökologischen Landbaus auf 25 % der gesamten landwirtschaftlichen Fläche bis 2030.

In ihrer Antwort (Drucksache 19/20926) auf eine Kleine Anfrage mehrerer Abgeordneter und der Fraktion der FDP im Deutschen Bundestag erläutert die Bundesregierung ihre Position hierzu. Die Bundesregierung betont, den Schwerpunkt auf die Verbesserung der Nährstoffeffizienz zu legen und nicht auf eine pauschale Verminderung des Einsatzes von Düngemitteln. Dies sei auch ein Ziel der Novelle der Düngeverordnung gewesen, insbesondere bei Wirtschaftsdüngern.

Nährstoffverluste

Bezüglich der Nährstoffverluste (2018 rund 89 kg N/ha) gibt die Bundesregierung zu bedenken, dass die rechnerischen Werte erheblichen Schwankungen unterliegen, die sich durch witterungsbedingten Ertragsschwankungen und dem Saldo zwischen abgesetzter (statistisch erfasst) und ausgebrachter Stickstoffmenge ergibt.

Die Nährstoffzufuhr in Deutschland erfolgt bei N zu 60 % aus Mineraldüngern, bei P2O5 zu 70 %. Die Menge ist relativ konstant, bei Phosphor leicht fallend. Bloße Mengenangaben ermöglichen allerdings keine Aussagen über die Güte der Düngung.

Düngeverordnung

Die Bundesregierung sieht in der Düngeverordnung (DüV) keinerlei Vorgaben zur Reduktion von Düngemitteln. Sie schreibe vielmehr spezifische Maßnahmen für eine standortangepasste und bedarfsgerechte Düngung vor. Die mit der kürzlich verschärften DüV eingeführte 20 %ige Unterdüngung in belasteten Gebieten sei begründet durch die Alterra-Studie aus 2011 (20 MB). Dass die Absenkung nicht schlag- sondern betriebsbezogen erfolge, verschaffe landwirtschaftlichen Betrieben einen gewissen Gestaltungspielraum. Dennoch geht die Bundesregierung davon aus, dass Betriebe mit sehr engen Fruchtfolgen mit i. d.  R. intensiv zu düngenden Kulturen (z. B. Winterweizen und Raps, aber auch mit intensivem Gemüseanbau) in den überwiegenden Fällen Anpassungen in ihren Fruchtfolgen vornehmen müssen, um mögliche Ertragseinbußen abzumildern. Bei Betrieben, die bereits langjährig organische Düngemittel eingesetzt haben, müsse aufgrund der zunächst weiterhin hohen Stickstoff-Nachlieferung kurzfristig nicht mit Ertragseinbußen gerechnet werden. Betriebe mit hohem Wirtschaftsdüngeranfall je ha werden diesen künftig verstärkt aufbereiten und verbringen und weniger Mineraldünger einsetzen müssen.

Die Bundesregierung erwartet deutliche Effekte bei der Vermeidung von Nährstoffeinträgen durch grasbewachsene Gewässerrandstreifen.

Wetter- und Geodaten

Auch Daten und Prognosen zum Wetter können die Effizienz verbessern. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) stellt den Bundesländern agrarmeteorologischen Informationen zur Förderung einer umwelt- und ressourcenschonenden Landbewirtschaftung zur Verfügung. Deutschlandweit stehen mehr als 500 Wetterstationen zur Verfügung. Die agrarmeteorologischen Informationen zum Pflanzenbau sind übersichtlich nach landwirtschaftlichen Kulturen gegliedert. Neben den unterschiedlichsten Parametern (z. B. Bodenfeuchte unter verschiedenen landwirtschaftlichen Kulturen) werden agrar-meteorologische Kriterien zur Ausbringung von Mineraldünger (Ammoniakverluste), Gülle (Schneehöhe, Bodenfrost, Bodenfrostbereich/Auftauschicht), Pflanzenschutzmitteln (PSM-Verflüchtigung und Abdrift, Einsatzmöglichkeit von clomazonehaltigen PSM) dargestellt. Zusätzlich steht auch die erwartete Bienenflugaktivität zur Verfügung. Landwirte erhalten Zugang nur durch Beitritt in eine geschlossene Benutzergruppe.

Zur Auffindung von Geodaten steht daneben als zentrales Portal das Geoportal.de zur Verfügung, das auch Geodaten aus den Bereichen Landwirtschaft und Wetter in der Geodateninfrastruktur Deutschland (GDI-DE) bündelt. Die Bundesregierung setzt sich gegenüber allen an der GDI-DE beteiligten Akteuren für die kostenfreie Bereitstellung von Geodaten ein.

Im GovData-Portal sind nicht nur Geodaten, sondern jegliche Art von frei zugänglichen Verwaltungsdaten auffindbar und kostenfrei weiter verwertbar, darunter auch Daten zur Landwirtschaft und Wetter. Dem Betrieb des GovData-Portals liegt die seitens der Bundesregierung unterstützte Idee des „open data“ zugrunde. Eine Umsetzung der INSPIRE-Richtlinie für den Geodatensatz des Integrierten Verwaltungs-und Kontrollsystems (InVeKoS) – derzeit von der EU-Kommission vorgesehen – würde den Landwirten wertvolle Geodaten kostenfrei und komfortabel zur Verfügung stellen.

Moderne Ausbringtechnik

Durch moderne Technik (z. B. Schleppschlauch, Schleppschuhen oder Injektion) können – so die Bundesregierung – Ammoniakemissionen bei der Aufbringung von flüssigen Wirtschaftsdüngern (z. B. Gülle, Gärrückstände) vermindert werden und sowohl organische, als auch mineralische Düngemittel zielgenauer aufgebracht werden, d. h. bei Einsatz dieser Technologien sind Einsparungen laufender Kosten möglich. Sie bietet darüber hinaus die Möglichkeit, über elektronische Steuerung, Sensortechnik und GPS die Düngermengen teilflächenspezifisch auszubringen. Damit kann der Düngebedarf der Kulturpflanzen in Verbindung mit den Eigenschaften des Bodens genauer abgestimmt werden. Überdüngung oder Unterversorgung werden damit vermieden und die Nährstoffeffizienz steigt. Anforderungen des Umweltschutzes können so mit Hilfe der Technik teilflächenspezifisch umgesetzt werden.

Durch die Anpassung und Überwachung des Streubildes an modernen Schleuderstreuern während der Aufbringung von Mineraldüngern kann der Einfluss von Wind und der Geländeform besser berücksichtigt werden. Sehr genau sei auch die Aufbringung flüssiger Mineraldünger über die Pflanzenschutzspritzen. Einige Bundesländer fördern innovative Aufbringtechnik über Agrarförderprogramme.

Aktuelle Techniken zur Echtzeitanalyse der Inhaltsstoffe flüssiger Düngemittel sowie die Dokumentation der Ausbringungsmengen in Echtzeit können dazu beitragen, die Effizienz der Düngung zu verbessern und die Absenkung der Stickstoffdüngung bestmöglich umzusetzen. Die Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Thüringen haben den Einsatz von Nahinfrarotspektroskopie(NIRS)-Technik zur Feststellung und Dokumentation von Nährstoffgehalten flüssiger Wirtschaftsdünger gemäß Düngerecht unter bestimmten Rahmenbedingungen anerkannt. Für die Anerkennung sind jeweils die zuständigen Behörden der Bundesländer zuständig.

Im Nachgang an ein Fachgespräch im BMEL „NIRS in der landwirtschaftlichen Gülle- und Gärrestapplikation“ hat die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) in Abstimmung mit dem BMEL zwei Bekanntmachungen über die Durchführung eines Forschungsvorhabens bzw. im Rahmen des Bundesprogramms Nährstoffmanagement erarbeitet zur Entwicklung eines Prüfverfahrens zur Überprüfung der Funktionsfähigkeit von NIR-Sensoren und zum Einsatz der Sensoren auf Praxisbetrieben.

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logo-signatur.png         Deutscher Raiffeisenverband e.V.
In Vertretung
Dr. Michael Reininger
Pflanzenschutz, Düngung, Gefahrstoffe, Digitalisierung
 
Telefon: 030 856214-533

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